not-me
Filmprogramm begleitend zur Einzelausstellung not-me von Luisa Berghammer im Kunstverein Kevin, Wien
27. Februar 2026
Co-Kuratorin
Anlässlich des letzten Wochenendes der Ausstellung not-me von Luisa Berghammer präsentierte Kevin ein Filmprogramm mit drei Arbeiten, die mit den Fragestellungen der Ausstellung zu Objekten und ihrem Status, zu Infrastrukturen, Repräsentation und Regimen der Sichtbarkeit in Resonanz treten. Die folgenden Filme wurden in dieser Reihenfolge mit kurzen Pausen dazwischen gezeigt:
• We Began by Measuring Distance (2009, 19:06 Min.)
— Basma al-Sharif
• Une visite au Louvre (2003, 48:56 Min.)
— Jean-Marie Straub & Danièle Huillet
• EXIT (Bath Iron Works, July 7–11, 2008, Bath, Maine) (2008, 41 Min.)
— Sharon Lockhart
not-me untersuchte den sich wandelnden Status von Objekten, während sie sich durch Systeme der Produktion und Präsentation bewegen. Geliehene Requisiten, deren Rückgabe vertraglich vorgeschrieben ist, gelangen in den Ausstellungsraum, ohne sich jemals vollständig als Kunstwerke zu etablieren. Anstatt eine Transformation zu erzählen, zeichnete die Ausstellung ein Bild der Drift: Sie verfolgte, wie Objekte Bedeutung ansammeln und wieder abstreifen, während sie sich durch rechtliche, logistische und ästhetische Ordnungsgefüge bewegen.
Das Filmprogramm erweiterte dieses Untersuchungsfeld:
We Began by Measuring Distance (2009, 19:06 Min.) von Basma al-Sharif entfaltet sich in langen statischen Einstellungen, die mit Text und Ton verwoben sind. Das Vermessen von Distanzen erweist sich allmählich als politischer Akt, der danach fragt, wie Bilder und Sprache versuchen, Geschichte und Tragödie zu vermitteln – und dabei scheitern. Der Film rückt die Vermittlung selbst in den Vordergrund, indem er die Kluft zwischen Ereignis und Repräsentation sichtbar macht.
In Une visite au Louvre (2003, 48:56 Min.) entwerfen Jean-Marie Straub und Danièle Huillet einen meditativen Gang durch den Louvre, geleitet von Joachim Gasquets Erinnerungen an Gespräche mit Cézanne. Obwohl der Film ausführlich über Malerei spricht, feiert er nicht einfach Meisterwerke. Stattdessen begreift er das Museum als institutionellen Apparat – als einen Ort, an dem Autorität durch Auswahl, Vermittlung und Narration hervorgebracht wird.
Das Programm endet mit EXIT (Bath Iron Works, July 7–11, 2008, Bath, Maine) (2008, 41:00 Min.) von Sharon Lockhart. Die Arbeit wurde in Echtzeit auf der Werft Bath Iron Works gedreht und beobachtet die Beschäftigten, wie sie am Ende ihrer Schichten das Fabrikgelände verlassen. Lockhart macht die zeitlichen und architektonischen Strukturen sichtbar, die Arbeit organisieren. Die Arbeiter*innen durchqueren einen Übergangskorridor – nicht mehr innerhalb des Regimes der Produktion, aber noch nicht außerhalb davon. EXIT nimmt Bezug auf Louis Lumières La Sortie de l’usine Lumière à Lyon(1895), international auch bekannt als Workers Leaving the Lumière Factory.
Die Filme wurden nicht ausgewählt, um die Themen der Ausstellung zu illustrieren, sondern um in Verbindung mit ihnen zu treten. Sie operieren unter verwandten Bedingungen und setzen sich mit Fragen der Zirkulation, der Arbeit und institutioneller Strukturen auseinander. Mit not-me teilen sie die Aufmerksamkeit für jene Bedingungen, die es Objekten, Bildern und Stimmen ermöglichen, in Erscheinung zu treten und zu zirkulieren, ohne dass ihr Status jemals vollständig festgelegt wird.


